"GDP measures everything, except that which makes life worthwhile."

Robert F. Kennedy, 1968 - Rede an der University of Kansas


Die Welt ist im Wandel und das rasanter denn je zuvor. Der technologische Fortschritt wird mehr und mehr zum technologischen Sprint. Neue Produkte haben immer kürzere Lebenszyklen, die Rate der schöpferischen Zerstörung erhöht sich. Gleichzeitig sind auch auf gesellschaftlicher Ebene erhebliche Veränderungen zu beobachten. So hat die Digitalisierung einen uneingeschränkten Zugang zu Informationen, Wissen und sozialen Kontakten ermöglicht und eine moderne Gesellschaft reagiert auf hohe wahrgenommene Anforderungen an Intelligenz und Attraktivität mit Selbstoptimierung.

Diese Veränderungen lassen einige optimistisch in die Zukunft blicken und erwecken bei anderen Besorgnis. Dass gesellschaftlicher Wandel aber grundsätzlich keine Angst machen muss, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Vier Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das deutsche Grundgesetz vom Parlamentarischen Rat beschlossen. Darin garantiert Artikel 2, Absatz 1 jedem Menschen das Recht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit. Dass dieser Artikel für einen Großteil der Bevölkerung damals überhaupt eine Rolle spielte, mag bezweifelt werden, gab es doch viel existenziellere Fragen zu klären. Nur 60 Jahre später leben wir in einem Europa, wo wir über Selbstverwirklichung sprechen und eine vernetzte Welt physische Distanzen verschwinden lässt. Die Trümmer des zweiten Weltkriegs und das damit verbundene Leid sind längst verblasst. Innerhalb kürzester Zeit haben sich der gesellschaftliche Alltag und unser Miteinander stark verändert.

Und auch wenn es uns heute verhältnismäßig sehr gut geht, gibt es Dinge, über die wir sprechen müssen. Denn das in der menschlichen Natur existierende Bedürfnis nach Wachstum gepaart mit den Anforderungen der modernen Welt hat eine Leistungsgesellschaft entstehen lassen, die in diesem Ausmaß wohl historisch einmalig sein dürfte. Heutzutage wird der Wert eines Menschen allzu häufig aus seiner Leistungsfähigkeit abgeleitet, ja teilweise sogar darauf reduziert. Wie Gerald Hüther in seinem Buch „Etwas mehr Hirn, bitte“ beschreibt, nehmen wir andere Menschen viel zu häufig als Objekte wahr – potenziell hilfreich für die Verwirklichung meiner Ziele – anstatt ihnen als Subjekten zu begegnen – Individuen mit eigenen Erfahrungen und Bedürfnissen. Ein gewisser Leistungscharakter kann den Menschen zwar nicht abgesprochen werden – Stagnation macht auf Dauer schließlich auch unglücklich. Die häufig mit der Darwinistischen Evolutionstheorie begründete Natürlichkeit von Leistung und Wettbewerb greift aber zu kurz, vernachlässigt unser angeborenes Potential für Empathie oder Mitgefühl. Wir sind keine reinen Leistungsmaschinen, die mit ausgefahrenen Ellenbogen die Weitergabe unserer Gene zu erreichen suchen, sondern deutlich vielfältiger.

Was die Zukunft bringen wird, das weiß wohl niemand. Aber jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um zu entscheiden, wie wir unsere Zukunft gestalten möchten. Im Namen der Akademie für Potentialentfaltung möchte dieser Blog dazu beitragen, unsere gegenwärtige Beziehungskultur zu reflektieren, um Wege aus der Leistungsgesellschaft aufzuzeigen. Gesellschaftlicher Fortschritt darf nicht mehr rein wirtschaftlich definiert werden, sondern muss auch andere Faktoren, wie beispielsweise das subjektive Wohlbefinden der Bevölkerung oder aber die Nachhaltigkeit unserer Entscheidungen berücksichtigen. In wöchentlichen Blogeinträgen werden daher Inhalte rund um die Themen Potentialentfaltung in Gemeinschaften, Empathie, Wohlbefinden und gesellschaftliche und technologische Trends behandelt. Die Leserinnen und Leser sind zum Mitdiskutieren eingeladen!