Musik als intentionale Aktivität um die Stimmung zu steigern

 

 

Zwei im Journal of Positive Psychology publizierte experimentelle Studien konnten zeigen, dass die richtige Aktivität gepaart mit einer entsprechenden Intention tatsächlich das Wohlbefinden erhöhen können:

 "[...] we found that when paired with the appropriate strategy, individuals' assigned to try to become happier, experienced greater gains in well-being [...]" [Ferguson & Sheldon, 2013]

In beiden Studien wurde Musik als Stimulus benutzt um die Stimmung der Teilnehmer zu beeinflussen.

 

Studie 1: Musik als Aktivität um kurzfristig die Stimmung zu steigern

Die 167 Teilnehmer der ersten Studie wurden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. Beiden Gruppen wurde im Vorfeld mitgeteilt, dass die Studie die Auswirkungen klassischer Musik auf die Stimmung der Teilnehmer untersucht.

Gruppe 1 erhielt die Instruktion, ihre Stimmung bewusst zu steigern, während sie die Lieder hörten. Die andere Gruppe wurde angewiesen passiv zuzuhören und ihre natürlichen Reaktionen auf die Musikstücke zu beobachten. Nun wurde den Teilnehmern beider Gruppen entweder "Rodeo" von Copland oder aber "Das Frühlingsopfer" von Stravinsky vorgespielt, die jeweils mit unterschiedlichen Stimmungen assoziiert werden konnten: "Rodeo" mit fröhlich und harmonisch, "Das Frühlingsopfer" mit komplex und unharmonisch.

Das Ergebnis: Sowohl die Art der Musik als auch der Grad der eigenen Intention hatten beide Einfluss auf die Entstehung einer positiven Stimmung. Es konnte gezeigt werden, dass Gruppe 1 (also die Gruppe mit der Instruktion ihre Stimmung zu steigern) beim Hören von "Rodeo" einen größeren Stimmungsanstieg berichtete als Gruppe 2. Im Gegensatz dazu konnten keine Unterschiede zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 bei "Das Frühlingsopfer" festgestellt werden. Daraus wird geschlussfolgert, dass es mit der Intention seine Stimmung zu steigern und einer entsprechenden Aktivität möglich ist, die Stimmung zumindest kurzfristig bewusst zu steigern.

" [...] participants who tried to feel happier reported the highest level of positive mood when they listened to the Copland (happy) piece. This demonstrates that the combination of intentions and proper method is important in raising positive mood." [Ferguson & Sheldon, 2013]

Da die momentane Stimmung ein verhältnismäßig kurzweiliges Phänomen ist, können allerdings anhand dieser Studie noch keine Rückschlüsse auf die Effekte für langfristiges Wohlbefinden gezogen werden. Daher haben die Forscher eine weitere Studie durchgeführt.

 

Studie 2:  Musik als Aktivität um mittelfristig die Stimmung zu steigern

Hier haben 68 Teilnehmer über zwei Wochen hinweg an fünf Terminen fröhliche Musikstücke aus einer Vielfalt von Genres gehört. Wie auch bei der Studie zuvor, wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilt und haben unterschiedliche Instruktionen erhalten. Das subjektive Wohlbefinden der Teilnehmer wurde anhand der von Lyubomirsky entwickelten Subjective Happiness Scale (SHS)  gemessen. Die SHS erfasst an Hand von 4 Aussagen ("Grundsätzlich beschreibe ich mich selbst als sehr zufrieden) mit jeweils 7 Abstufungen (von "Ich stimme überhaupt nicht zu" bis "Ich stimme total zu") das subjektiv erlebte Wohlbefinden.

Das Ergebnis: Ähnlich wie in der ersten Studie konnte auch hier gezeigt werden, dass die Intention, zufriedener zu werden auch über einen längeren Zeitraum in einem größeren Anstieg der Zufriedenheit resultiert.

 

Fazit

Beide Studien zeigen deutlich, dass es möglich ist, seine eigene Stimmung zu steigern, wenn die richtige Musik auf eine entsprechende Intention trifft. Allerdings sollten diese Ergebnisse auch mit etwas Vorsicht genossen werden, denn der Zeitraum der zweiten Studie ist mit zwei Wochen immer noch ziemlich kurz gewählt. In diesem Zeitraum auftretende Effekte könnten langfristig schwächer werden und nach einiger Zeit möglicherweise nicht mehr zu einem gesteigerten Wohlbefinden beitragen. Eine Möglichkeit dieses Problem zu umgehen könnte ein Aktivitätenwechsel von "Musik hören" hin zu anderen Aktivitäten/Übungen sein. Daneben können bei der Erfassung von Zufriedenheit durch Fragebögen häufig Verzerrungen auftreten, weswegen solche Ergebnisse grundsätzlich mit einer angemessenen Vorsicht interpretiert werden sollten. Dennoch sind diese Studien ein sehr guter Beweis dafür, dass es möglich ist, seine wahrgenommene Zufriedenheit kurzfristig zu steigern. 

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Yuna L. Ferguson & Kennon M. Sheldon

Titel: Trying to be happier really can work: Two experimental studies

Zeitschrift: Journal of Positive Psychology

Publikationsjahr: 2013

Studienteilnehmer: 167 bzw. 68 Studenten aus den USA

 

 

Bildquelle: Tobias Bräuning / pixelio.de