Wie sieht erfolgreiche Kommunikation im Gehirn aus?

 

Der umgangssprachlich verwendete Ausdruck „Wir sind auf einer Wellenlänge“ beschreibt eine wahrgenommene Sympathie zwischen zwei Personen. Gerade in der Anfangsphase des Kennenlernens ist der Ausdruck häufig nach einem Gespräch zu hören, bei dem besonders ähnliche Meinungen ausgetauscht wurden. Was geschieht jedoch während einer solchen Unterhaltung im Gehirn? Greg Stephens, Lauren Silbert und Uri Hasson von der Princeton Universität untersuchten diese Frage.

 

Ein modelliertes Gespräch im Magnetresonanztomographen (MRT)

Das Forscherteam maß die Gehirnaktivität von insgesamt 11 Teilnehmern während sie einer aufgenommenen Geschichte zuhörten. Der Erzähler wurde angewiesen, diese Geschichte so zu erzählen, wie er sie auch einem Freund erzählen würde. Gleichzeitig wurde die Hirnaktivität des Erzählers gemessen. Die entstandene Aufnahme wurde anschließend den Teilnehmern im MRT vorgespielt um deren Hirnaktivität während sie dem Gespräch lauschten, zu untersuchen. Die Hypothese der Forscher war, dass die neuronale Aktivität des Erzählers räumlich (Wo im Gehirn?) und zeitlich (Wann im Gehirn?) an die neuronale Aktivität der Zuhörer gekoppelt ist. 

 

Gehirnaktivität von Menschen ist bei erfolgreicher Kommunikation gekoppelt

In allen untersuchten Gehirnarealen wurde diese Hypothese der Forscher Stephens, Silbert und Hasson bestätigt.

„For each brain area, we identified significant speaker-listening couplings [...]“ [Stephens et al., 2010]

Im Speziellen fanden sie heraus, dass die Hirnaktivität der Zuhörer um 1-3 Sekunden verzögert die Hirnaktivität des Erzählers wiederspiegelte. Diese Beobachtung führten die Forscher darauf zurück, dass die Gehirnaktivität bei der Sprachproduktion tatsächlich die gespiegelte Gehirnaktivität beim Verstehen hervorrufen kann.

„[...] on average the speaker’s production-based processes precede and likely induce the mirrored activity observed in the listeners’ brains during comprehension.“ [Stephens et al., 2010]

Um zu überprüfen, ob diese Aktivitätskopplung tatsächlich das Ergebnis ausgetauschter Informationen war, untersuchten die Forscher zusätzlich die Hirnaktivität von englischsprachigen Teilnehmern beim Zuhören einer russischen Geschichte. Hierbei fanden sie keine derartige Kopplung. Sie folgerten: Die Kopplung ist ein Ergebnis inhaltlichen Verständnisses und nicht bloß das Produkt ausgetauschter akustischer Signale.

„[...] a Russian speaker telling a story [...], and then played the story to non-Russian speaking listener. [...] we found no significant coupling between the speaker and the listener or among the listeners.“ [Stephens et al., 2010]

Als letztes wollten die Forscher herausfinden, inwieweit die Stärke der Kopplung mit dem Grad des Verstehens korreliert. Um dies herauszufinden, sollten die Zuhörer nach der Gehirnmessung aufschreiben, an welche Dinge der erzählten Geschichte sie sich noch erinnern konnten. Und tatsächlich war ein linearer Zusammenhang zwischen Gehirnaktivität und der Informationswiedergabe festzustellen. Je mehr Informationen die Studienteilnehmer wiedergeben konnten, desto stärker war die zuvor gemessene Kopplung der Gehirnaktivitäten zwischen Zuhörer und Erzähler.

„The correlation between the neural coupling and the level of comprehension was robust to changes [...] These findings suggest that the stronger the neural coupling between interlocutors, the better the understanding.“ [Stephens et al., 2010]

 

Fazit

In dieser Studie konnten die Forscher zeigen, dass zwei Personen bei erfolgreicher Kommunikation eine ähnliche Gehirnaktivität aufweisen. Je besser der Informationsaustausch im Gespräch funktioniert, desto ähnlicher ist die Aktivität in den beteiligten Gehirnarealen. Allerdings war die Versuchsgruppe mit 11 Probanden verhältnismäßig klein und es konnte nur recht oberflächlich die Aktivität verglichen werden. Denn bei einigen beteiligten Arealen ist noch nicht abschließend geklärt, welche Aufgabe sie besitzen. Die Frage, warum bei einigen Gesprächen bestimmte Areale stärker gekoppelt waren, als bei anderen Gesprächen kann daher im Detail noch nicht beantwortet werden. Außerdem muss ergänzt werden, dass sich die Hirnforschung sich derzeit - trotz aller Fortschritte in der Vergangenheit - immer noch am Anfang befindet. Studien wie diese erhalten daher mit fortschreitenden Erkenntnissen aus der Hirnforschung und technologischen Fortschritten für Messungen zunehmende Relevanz.

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Greg J. Stephens, Lauren J. Silbert & Uri Hasson

Titel: Speaker-Listener Neural Coupling Underlies Successful Communication

Zeitschrift: Proceedings of the National Academy of Sciences

Publikationsjahr: 2010

Studienteilnehmer: 11

 

 

Bildquelle: flickr.com / Tim Bartel