Die Auswirkungen von Geld auf das Leistungs- und Sozialverhalten

 

 

Geld verändert Menschen... Vermutlich würden viele Leser dieser Aussage zustimmen. In welcher Form Geld Menschen verändert ist dagegen deutlich kontroverser. Kapitalismuskritiker würden eher negative Aspekte wie Gier, Egoismus oder Ausnutzung betonen, während Befürworter des Wirtschaftsliberalismus wahrscheinlich eher auf Chancen und Möglichkeiten verweisen würden. Dabei erscheint es intuitiv richtig, dass Geld einen Einfluss auf Menschen hat. In welcher Form haben Kathleen Voss, Nicole Mead und Miranda Goode aus den USA versucht herauszufinden.

 

Geld nimmt einen Einfluss auf verschiedene Dinge

In der Einleitung ihrer Publikation verweist das Forscherteam auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich des Zusammenspiels von Mensch und Geld. Sie stellen heraus, dass die Wertigkeit von Geld innerhalb einer Gesellschaft negativ korreliert mit der Qualität ihrer Beziehungen. US Amerikaner zum Beispiel schreiben Geld tendenziell eine hohe Wertigkeit zu und haben schlechtere Beziehungen als Gesellschaften, in welchen Geld eine weniger wichtige Rolle spielt.

„[...] research is clear that the love of money is often the start of trouble – relationship trouble, mostly. American who highly value money have poorer relationships than do those who take a more moderate approach to money.“ [Voss et al., 2008]

Ergänzend dazu stellen die Forscher heraus, dass Personen Stress empfinden können, wenn sie gleichzeitig familiäre Beziehungen und materielle Besitztümer als relevant erachten. Auf längere Sicht kann sich dieser sogar auf die mentale Gesundheit der Personen niederschlagen.

„People’s mental health is also harmed when they value both familiry relationships and the possession of material objects [...]“ [Voss et al., 2008]

Auf der anderen Seite kann Geld positive Auswirkungen auf das subjektive Wohlbefinden haben. Auch wenn das Ausmaß der Auswirkungen von Geld auf das subjektive Wohlbefinden unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert wird, sind sich viele einig, dass mehr Geld das subjektive Wohlbefinden zumindest zu einem kleinen Teil positiv beeinflusst. Hierbei muss ergänzt werden, dass insbesondere bei Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status der Mangel an Geld zu Stress, Depression oder anderen gesundheitlichen Problemen führen kann. Diese Probleme entstehen durch finanzielle Sorgen, was einen nachvollziehbaren negativen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden mit sich bringt. Mehr Geld dürfte in diesem Kontext das subjektive Wohlbefinden maßgeblich steigern.

„Evidence that has been widely discussed and debated suggests that having more money is associated with more frequent positive emotions and less frequent negative emotions than having less money.“ [Voss et al., 2008]

Zusammengefasst hat mehr Geld bis zu einer bestimmten „Sorgenschwelle“ einen deutlichen positiven Effekt, der Grenznutzen (wie stark sich das subjektive Wohlbefinden mit weiterem Anstieg des Einkommens erhöht) nimmt danach jedoch stark ab.

 

Geld verändert das Leistungsverhalten und das Sozialverhalten

Um herauszufinden welchen Einfluss das Geld auf das Leistungs – und Sozialverhalten von Menschen hat, entwickelten die Forscher ein experimentelles Studiendesign, in welchem ein Teil der Studienteilnehmer mit dem Konzept von Geld konfrontiert wurde. In anschließenden Aufgaben verglich das Forscherteam das Verhalten dieser Studienteilnehmer mit anderen Teilnehmern, welche im Vorfeld nicht mit dem Konzept von Geld konfrontiert wurden. Sie vermuteten, dass sich durch die Konfrontation mit Geld das Leistungs- und das Sozialverhalten verändern würde.

Konfrontation mit Geld: Die Forscher wählten vier verschiedene Ansätze um die Teilnehmer mit Geld zu konfrontieren. In einigen Studien ließen sie die Teilnehmer das Spiel Monopoly spielen. Kurz vor der Folgeaufgabe gaben sie einigen Teilnehmern $4000, anderen $200 und einer dritten Gruppe kein Geld. Bei anderen Studien griffen sie auf einen Reflektionsansatz zurück, bei welchem die Teilnehmer über ein Leben mit viel oder wenig Geld reflektieren sollten. Darüber hinaus ließen sie Studienteilnehmer Sätze mit und ohne Bezug zu Geld ordnen oder sie setzten die Teilnehmer in einem Raum, in welchem ein Bild mit Geld aufgehängt worden war.                                                                                            

Ergebnis: Alle Ansätze hatten ähnliche Effekte: Die Studienteilnehmer waren leistungsbereiter bei gleichzeitiger Abnahme der Hilfsbereitschaft.

„All of these manipulations yielded similar effects.[...] Participants behaved in ways that were both more desirable (persistence on challenging tasks; taking on more work for oneself) and more undesirable (reduced helpfulness; placing more distance between the self and others)“ [Voss et al., 2008]

Die Hilfsbereitschaft wurde in den jeweiligen Folgeaufgaben getestet. So ließ eine Studienbegleiterin Stifte fallen, um zu sehen, wie viele Stifte die Studienteilnehmer aufhoben. Oder ein zerstreuter Kommilitone fragte direkt nach Hilfe. Insbesondere bei letzterem machte es einen großen Unterschied, ob die Studienteilnehmer vorher mit Geld konfrontiert wurden oder nicht. Die nicht mit Geld konfrontierten Teilnehmer investierten mehr als doppelt so viel Zeit (120%) um zu helfen, als die mit Geld konfrontierten Teilnehmer.

„Participants not reminded of money spent 120% more time helping the confused student than did those who had been reminded of money.“ [Voss et al., 2008]

Das Forscherteam stellte fest, dass Geld das Bedürfnis nach physischer Distanz bei der Begegnung mit Fremden erhöht. Außerdem präferierten die mit Geld konfrontierten Studienteilnehmer eher Freizeitaktivitäten, die sie alleine wahrnehmen konnten statt Freizeitaktivitäten mit Freunden oder dem Partner/der Partnerin.

„Participants who had been reminded of money put more physical distance between themselves and the unacquinted interaction partner than did participants who were not reminded of money.“ [Voss et al., 2008]

„[...] participants who had been reminded of money preferred solo leisure activites more than did neutral participants.“ [Voss et al., 2008]

Auf der anderen Seite wirkte sich Geld auch auf das Leistungsverhalten aus. An Geld erinnerte Teilnehmer arbeiteten länger (48%) an einer Aufgabe, bevor sie nach Hilfe fragen. Sie waren eher bereit alleine an einer Aufgabe zu arbeiten, auch wenn das mit erhöhtem Arbeitsaufwand verbunden war.

„[...] we can safely assume that participants who chose to work alone recognized that they would be taking on more work.“ [Voss et al., 2008]

„[...]we found that participants reminded of money worked 48% longer than did participants who were not reminded of money.“ [Voss et al., 2008]

 

Fazit

Diese Studie hat weitreichende Implikationen. Wie auch das Forscherteam betont, wird nicht gezeigt, dass Geld egoistischer macht. Um eine Aufgabe schneller zu erledigen wäre eine egoistische Verhaltensweise mehr Arbeit abzugeben oder schnell Hilfe anzunehmen. Allerdings bedarf das Fazit der Forscher, dass Geld das Leistungsverhalten ausschließlich positiv beeinflusst, genauerer Betrachtung. Die Suche nach Hilfe legten sie als mangelndes Durchhaltevermögen aus. Hilfe suchen könnte genau so aber als effizientes Verhalten ausgelegt werden. Ist es immer sinnvoll, möglichst lange selbst zu versuchen, eine Aufgabe zu erledigen? Mit Sicherheit nicht in wirtschaftlichen Kontexten!

Diese Publikation regt sogar an, finanzielle Belohnungssysteme in Unternehmen zu überdenken. Diese fördern meist nur Individualleistungen, obwohl die zukünftigen Herausforderungen durch zunehmende Komplexität und die Informationsexplosion meist nur erfolgreich in gut funktionierenden Gruppen gemeistert werden können.

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Kathleen D. Vohs, Nicole L. Mead & Miranda R. Goode

Titel: Merely Activating the Concept of Money Changes Personal and Interpersonal Behavior

Zeitschrift: Current Directions in Psychological Science

Publikationsjahr: 2008

 

 

Bildquelle: flickr.com / Nick Ares