Optimismus ist erlernbar

 
 

 

Jeder wird wohl diesen Typ Mensch kennen, der, unabhängig von äußeren Umständen, immer noch schafft in allem etwas Positives zu sehen. Der Mensch, der sich nach einer Kündigung über die ganzen Betätigungsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt freut und der eine Herausforderung grundsätzlich als Chance sieht.  Diese Art Optimismus mag bewundernswert sein oder sogar anstrengend. Optimismus mag inspirierend wirken und manchmal vielleicht sogar naiv. Dennoch ist eine gesunde Prise Optimismus wohl nie verkehrt, fördert er doch das psychologische Wohlbefinden. Nicht zuletzt deswegen erfuhr die Optimismus-Forschung in den letzten 30 Jahren ein exponentielles Wachstum. Immer wieder wurde geschaut: Können Menschen optimistischer werden oder aber ist es eine fixierte Persönlichkeitseigenschaft, mit der man nun mal geboren wird oder halt nicht? Drei Forscher aus den Niederlanden haben geschaut, ob Optimismus durch eine Intervention gesteigert werden kann.

 

Optimismus ist sowohl, als auch

Wie bereits in einem älteren Blogeintrag ausführlich erklärt wurde, ist Optimismus beides: Sowohl eine teilweise fixierte Persönlichkeitseigenschaft, als auch eine erlernbare Fähigkeit. Letzteres referenziert dabei auf die Attributionstheorie, die beschreibt, auf welche Weise Menschen bestimmte Ereignisse wahrnehmen. Wird ein negatives Ereignis (beispielsweise ein Fehler auf der Arbeit) als einmalig wahrgenommen und den äußeren Umständen zugeschrieben ("Ich war gestern einfach zu lange wach und deswegen ist mir der Fehler unterlaufen!"), ist es eher optimistisch. Pessimistisch wäre hingegen, wenn dieses negative Ereignis als alltäglich ("Sowas passiert mir immer!") wahrgenommen und der Fehler bei sich selbst gesucht werden würde ("Ich bin einfach zu blöd für diese Aufgabe!"). Da es sich hier um einen kognitiven Vorgang handelt, liegt es nahe, dass Interventionen sich vor allem auch darauf auswirken.

 

Wie sieht dein bestmögliches Selbst der Zukunft aus?

Mit dieser Frage wurden die Studienteilnehmer konfrontiert, zumindest die eine Hälfte der insgesamt 54 Probanden. Diese Gruppe erhielt die Aufgabe, zunächst sämtliche Aspekte aufzuschreiben, die ihr bestmögliches Selbst der Zukunft (BPS) in Bezug auf Beruf, Beziehungen und persönliche Ziele beinhalten sollte. Diese drei Kategorien wurden ausgewählt, weil sie maßgeblichen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden von Personen ausüben.

"These domains were selected based on the consideration that these areas are most influential and significant in determining people's well-being." [Meevissen et al., 2011]

Die Teilnehmer der anderen Gruppe hingegen wurden lediglich angewiesen, sämtliche Aktivitäten der letzten 24 Stunden niederzuschreiben.

Im Anschluss sollten alle Studienteilnehmer die gesammelten Aspekte in eine detaillierte und kohärente Geschichte umschreiben und sich diese daran anknüpfend bildlich vorstellen. Alle Teilnehmer wurden angewiesen diese bildliche Vorstellungsübung innerhalb der nächsten zwei Wochen täglich zu wiederholen. Um Veränderungen bezüglich ihres Optimismus nachvollziehen zu können, wurden die Studienteilnehmer angehalten bei der Einweisung zur Studie, nach einer Woche und nach zwei Wochen jeweils einen Fragebogen auszufüllen, der unter anderem auch ihren Grad an Optimismus erfasste.

Ergebnis: Wie die Forscher vermuteten, erhöhte sich der Optimismus der BPS-Gruppe signifikant. Die Kontrollgruppe, die lediglich die Aktivitäten des einen Tages visualisierten, erfuhr keine Steigerung des Optimismus.

"[...] the present study showed that daily imagery of BPS for two weeks can lead to sustained increases in optimism." [Meevissen et al., 2011]

Des Weiteren konnten die Forscher herausfinden, dass die Probanden, die von Natur aus eher optimistisch sind genauso stark von der BPS-Übung profitierten, wie die weniger optimistischen Studienteilnehmer. Folglich ist es für den Effekt dieser Übung irrelevant, wie optimistisch man ist.

"The results further demonstrated that initial levels of dispositional optimism did not moderate the intervention effects. People who were already high in optimism profited from the intervention to the same extend as participants low in optimism." [Meevissen et al., 2011]

 

Fazit

Dieser Artikel ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Grad an Optimismus nicht fixiert, sondern veränderbar ist. Besonders hervorzuheben ist die einfache Anwendbarkeit der Intervention. Möchte ich optimistischer werden, so kann ich diese Ziel durch eine tägliche, fünfminütige Visualisierung meines bestmöglichen zukünftigen Selbst erreichen. Allerdings muss ergänzt werden, dass die Teilnehmer der Studie ausschließlich Studenten waren. Als solche stehen sie noch vor dem Eintritt in die Berufswelt und haben daher viele Möglichkeiten, das bestmögliche Selbst der Zukunft zu visualisieren. Je älter man wird, desto weniger Möglichkeiten bieten sich möglicherweise, wodurch sich der Effekt der Intervention verringern könnte. Falls diese Intervention daher nicht den gehofften Nutzen bringt, dann hilft ja vielleicht trotzdem das Lesen dieses Artikels weiter. Zu hören, dass man optimistischer werden kann, sollte ja eigentlich optimistischer machen, oder?

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Yvo M.C. Meevissen, Madelon L. Peters, & Hugo J.E.M. Alberts

Titel: Become More Optimistic by Imagining a Best Possible Self: Effects of a Two Week Intervention

Zeitschrift: Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry

Publikationsjahr: 2011

 

Bildquelle: flickr.com / Hartwig HKD