Ich bin für dich da - vor allem auch in guten Zeiten

 
 

Was macht erfolgreiche Beziehungen aus? Bei der Frage kommen einem unweigerlich Faktoren wie Respekt, Unterstützung, Toleranz und vielleicht auch ein wenig Beharrlichkeit in den Kopf. Dabei ist vor allem auch der Faktor gegenseitige Unterstützung interessant,  wird er nicht zuletzt schon im Eheversprechen in guten wie auch in schlechten Zeiten zugesichert. Sich in schlechten Zeiten zu unterstützen scheint intuitiv besonders wichtig. Wenn meine Partnerin oder mein Partner einen schlechten Tag hat oder gerade eine schwierige Zeit durchmacht, dann bin ich für ihn/sie da. Gemeinsam ist man ja schließlich stärker und so etwas schweißt die Beziehung zusammen.... Oder? Nicht zwangsläufig. Denn es kann sich negativ auf das Selbstwertgefühl des Anderen auswirken, signalisiert es doch möglicherweise eine Unfähigkeit mit Schwierigkeiten allein fertig zu werden.

„receiving social support may have neutral or detrimental effects [...] It may be a signal to the recipient that he or she is unable to cope with the stressor, which can be a blow to self-worth and self-esteem.“ [Gable et al., 2006]

Wie sieht es aber in guten Zeiten aus? Wenn einem gute Dinge wiederfahren, dann entsteht in der Regel ein Mitteilungsbedürfnis. Wenn zum Beispiel die Bewerbung für den Traumjob erfolgreich war und der Arbeitsvertrag unterschrieben wurde, ist die erste Handlung häufig der Griff zum Telefon um die frohe Botschaft seinen Liebsten mitzuteilen. Dieser Prozess wird als „Capitalization“ bezeichnet und ruft, unabhängig von dem eigentlichen Ereignis, positive Emotionen hervor – vorausgesetzt die andere Person reagiert in gewünschter Weise (zeigt sich beispielsweise interessiert).

„Good things happen, and when they do, people often share the positive event with someone else – a process that has been called capitalization.“ [Gable et al., 2006]

Ein Forscherteam aus Los Angeles hat sich mit Reaktionsweisen auf eben solche Nachrichten beschäftigt. Sie wollten herausfinden, ob sich die Art der Reaktion auf die wahrgenommene Qualität von Beziehungen auswirkt. Außerdem wollten sie klären, was einen größeren Einfluss auf die wahrgenommene Qualität von Beziehungen hat: Die „richtige“ Reaktion auf mitgeteilte Erfolge oder die „richtige“ Reaktion auf mitgeteilte schlechte Nachrichten.

 

Vier verschiedene Arten von Reaktionen

Das Forschertrio identifizierte vier Möglichkeiten auf eine positive Nachricht zu reagieren. Diese sollen im Folgenden anhand von Beispielen verdeutlicht werden. Nehmen wir an, eine Frau wurde beruflich befördert und erzählt ihrem Partner freudestrahlend von dieser tollen Neuigkeit. Er hat jetzt vier Möglichkeiten zu reagieren:

Aktiv-Konstruktiv: Er unterstützt seine Frau und geht aktiv auf sie ein.
Er: „Das ist ja großartig, Schatz! Du hast es dir aber auch wirklich verdient, so hart, wie du die letzte Zeit gearbeitet hast. Weißt du schon, was deine ersten Schritte in der neuen Position sein werden?“

Passiv-Konstruktiv: Er nimmt Anteil daran, unterstützt sie aber höchstens indirekt.
Er: „Das freut mich für dich.“

Aktiv-Destruktiv: Er sabotiert den Erfolg seiner Frau und nimmt ihr jegliche Chance, sich gemeinsam mit ihm darüber zu freuen.
Er: „Na klasse. Jetzt muss ich also noch mehr Pflichten im Haushalt übernehmen. Ich mach sowieso schon fast alles... Außerdem... glaubst du wirklich, dass du das schaffst? Das klingt schon ziemlich herausfordernd und so belastbar bist du nicht.

Passiv-Destruktiv: Er geht gar nicht darauf ein oder bringt ein völlig anderes Thema ins Spiel.
Er: „Du glaubst gar nicht, was mir heute auf der Arbeit passiert ist!“

Die Forscher konnten herausfinden, dass lediglich die aktiv-konstruktive Reaktionsweise einen positiven Effekt auf die wahrgenommene Qualität der Beziehung und das eigene Wohlbefinden hatte, während alle anderen Reaktionen negativ damit korrelierten.

„[...] only responses that were perceived to be active and constructive were associated with personal well-being and higher relationship quality.“ [Gable et al., 2006]

Wie sieht es aber mit der Frage nach der Art des Ereignisses aus? Ist es wichtiger „richtig“ auf gute oder „richtig“ auf schlechte Nachrichten zu reagieren? Um das herauszufinden, untersuchten die Forscher die Verhaltensweisen von insgesamt 97 Paaren.

 

Eine Videokamera, sieben Gespräche, viele Fragen

Die Paare füllten zunächst einen Fragebogen aus, bei welchem das grundsätzliche Reaktionsverhalten der Partner bewertet werden sollte. Anschließend wurden sie in einen Raum geführt, in welchem sie sieben Gespräche führen sollten. Um eine objektive Einschätzung der Verhaltensweisen zu bekommen, wurden diese Gespräche per Videokamera aufgezeichnet und im Anschluss mit acht unabhängigen Beobachtern diskutiert.

Im ersten Gespräch sollten die Paare ihr erstes Date beschreiben um sich an die Situation zu gewöhnen. In den letzten beiden Gesprächen sollte über Lieblingseigenschaften des Partners oder der Partnerin gesprochen werden, um das Experiment positiv enden zu lassen. Die eigentlich interessanten Gespräche lagen dazwischen. In diesen vier Gesprächen sollten beide Parteien von einem guten und einem schlechten Ereignis erzählen.

Nach jedem Gespräch sollten die Paare das Reaktionsverhalten des Partners/der Partnerin bewerten. Zusätzlich wurden die Verhaltensweisen mit den Beobachtern diskutiert.

 

Die Reaktion auf gute Nachrichten ist entscheidend

Die Ergebnisse waren überraschend. Die  Forscher konnten herausfinden, dass die Zufriedenheit in der Beziehung stärker durch die Reaktionsweise auf gute Nachrichten beeinflusst wurde. Die Reaktion auf negative Ereignisse war zwar auch nicht unbedeutend, hatte aber einen geringeren Einfluss auf die Zufriedenheit.

„These results indicate that feeling understood, validated, and cared for following a positive event disclosure is more strongly and consistently associated with relationship well-being than ratings of responsiveness following a negative event disclosure.“ [Gable et al., 2006]

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Forscher war, dass sich die Reaktionsmuster einzelner Leute in Bezug auf gute und auf schlechte Nachrichten unterschieden haben. Wenn die Studienteilnehmer aktiv-konstruktiv auf schlechte Nachrichten eingingen, hieß das nicht automatisch, dass sie ebenso auf gute Nachrichten eingingen.

„This argues against the idea that reacting supportively to a partner’s positive events is due solely to some overall ability to respond effectively and argues for the notion that the context of the interaction is important.“ [Gable et al., 2006]

Warum ist das so? Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass eine aktiv-konstruktive Reaktion auf die gute Nachricht eines Partners diesen bestärkt und dadurch dessen positives Selbstbild unterstützt.

„When individuals share positive events with their partner, they are sharing their strengths. Perceiving that the partner validates a strength could be particularly beneficial for one’s sense of self-worth.“ [Gable et al., 2006]

 

Fazit

Dieses Experiment gibt Aufschluss über Erfolgsfaktoren in Beziehungen. Nicht nur in schlechten Zeiten, sondern vor allem auch in guten Zeiten sollte die Unterstützung und Bestärkung des Partners oder der Partnerin eine hohe Priorität haben, möchte man die Beziehung fördern. Ob diese Erkenntnisse in der Form auch auf andere, nicht-romantische Beziehungen übertragen werden können, ist allerdings unklar. Es liegt jedoch nahe, dass sich eine Bestärkung von Freunden bei Erfolgen positiv auf deren Selbstbild und dadurch auch auf die Zufriedenheit in der Beziehung auswirkt. Dieses Modell wäre dann vor allem auch in beruflichen Kontexten spannend, um soziale Interaktionen in Projektteams oder Abteilungen zu verbessern. 

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Shelly L. Gable, Gian C. Gonzaga, Amy Strachman

Titel: Will You Be There for Me When Things Go Right? Supportive Responses to Positive Event Disclosures

Zeitschrift: Journal of Personality and Social Psychology

Publikationsjahr: 2006

 

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