Eine kleine Spende gefällig!

 

 

Wir schreiben das Jahr 2010. Zurückblickend auf ein finanziell erfolgreiches Leben, beschloss Warren Buffet eines Abends, dass er den Großteil seines Vermögens für gemeinnützige Zwecke spenden wollte. Warren Buffet ist über die Jahre durch Aktiengeschäfte zu Geld gekommen. Mit einem geschätzten Vermögen in Höhe von 63 Milliarden US-Dollar, zählte er zu den reichsten Personen weltweit. Aber nun war genug. Jetzt sollten auch andere, weniger erfolgsverwöhnte Menschen davon profitieren und Warren Buffet war nicht gerade geizig, als er beschloss insgesamt 99% seines Vermögens wegzugeben. Aber auch hier zeigte sich: Buffet weiß was er tut. Wieder hatte sich ein Investment gelohnt, wenn auch nicht finanziell: Die Entscheidung hat ihn glücklicher gemacht.  Nun mag man wohl berechtigterweise einwerfen, dass diese Aussage nicht wirklich verwundert. Bei einem entsprechend hohen finanziellen Polster würden wohl die meisten einen Teil des Polsters für Bedürftige abgeben und sich anschließend gut fühlen. Aber braucht man für diesen Wohlfühleffekt tatsächlich ein solch beachtliches Vermögen? Neun Forscher sind dieser Frage nachgegangen.

 

Die Verbindung von prosozialem Verhalten und subjektivem Wohlbefinden

Warum aber fühlt sich Warren Buffet besser, wenn er fast sein ganzes Vermögen an andere Menschen abgibt? Evolutionstheoretiker glauben, dass altruistisches Verhalten maßgeblich zu dem Evolutionserfolg der Menschen beigetragen hat. Kooperation hat das Überleben unserer Vorfahren gesichert. Und nicht nur das. Es hat die Menschheit sogar an die Spitze der Nahrungskette katapultiert. Aber warum haben unsere Vorfahren denn überhaupt kooperiert? Ein offensichtlicher Anreiz ist das Überleben. Eine weitere mögliche Erklärung mag jedoch weniger offensichtlich erscheinen: Es fühlte sich einfach gut an.

„[...] there are theoretical reasons to expect that financial generosity should promote subjective well-being around the world. In particular, evolutionary theorists have argued that the evolution of altruistic behavior was essential in producing the large-scale cooperation that allowed early humans to thrive. [...] generous behavior might produce consistent, positive feelings.“ [Aknin et al., 2013]

Und da genau das immer noch der Fall ist, fühlt sich Warren Buffet gut, wenn er sein Vermögen weggibt und genauso auch andere, weniger wohlhabende Menschen. So zumindest die Vermutung. In einer ersten Studie wollte das Forscherteam herausfinden, inwieweit prosoziale Ausgaben (beispielsweise Spenden an gemeinnützige Einrichtungen) mit subjektivem Wohlbefinden korreliert – und zwar weltweit.

 

Wir haben 200.000 Leute aus 136 Ländern gefragt,...

Bevor die Forscher weiter ins Detail gingen, wollten sie in dieser Studie zunächst herausfinden, ob prosoziale Ausgaben grundsätzlich mit erhöhtem subjektiven Wohlbefinden korrelieren. Dafür griffen sie auf bereits erhobene Daten einer weltweiten Befragung zwischen 2006 bis 2008 zurück. In dieser Befragung wurden 200.000 Personen aus 136 Länder zu verschiedenen Aspekten, wie ihrem subjektiven Wohlbefinden, ihrem Spendeverhalten und ihrem Einkommen befragt. Dabei wurde darauf geachtet, dass verschiedene Bevölkerungsschichten in der Befragung repräsentiert werden. In ländlichen Regionen ärmerer Länder wurden daher die Leute direkt vor Ort interviewt.

Ergebnis: Einkommensunabhängig konnte bei den Befragten eine positive Korrelation zwischen Spendeverhalten und ihrem subjektiven Wohlbefinden festgestellt werden. Dies war in reichen, wie auch in ärmeren Ländern der Fall, auch wenn der Effekt in den einzelnen Ländern unterschiedlich groß ausfiel.

„Examining over 200.000 respondents drawn from 136 countries, we found that prosocial spending is linked to higher SWB around the world. The effect emerges in both poor and rich nations, although the size and significance of this relationship vary among individual countries.“ [Aknin et al., 2013]

Die positive Korrelation war auch dann immer noch festzustellen, wenn demographische Variablen und andere Faktoren (Korruption, sozialer Rückhalt, etc.), die sich ebenfalls positiv auf das subjektive Wohlbefinden auswirken können, berücksichtigt wurden.

 

Das Experiment: Machen Geldspenden für gemeinnützige Zwecke glücklicher?

Nachdem eine positive Korrelation zwischen prosozialen Ausgaben und subjektivem Wohlbefinden festgestellt werden konnte, wollten die Forscher es genauer wissen: Machen Geldspenden für gemeinnützige Zwecke glücklicher? Um diese Frage zu beantworten, rekrutierten die Forscher Studenten aus Südafrika (121 Studenten) und Kanada (86 Studenten). Zusätzlich zu der normalen Vergütung für die Teilnahme am Experiment, wurde den Studenten ein Gutschein überreicht, den sie entweder gegen eine Tüte mit Süßigkeiten (im Wert von 3 Dollar) einlösen oder aber in Bargeld (etwa 2,50 Dollar) umtauschen konnten. Gleichzeitig wurde den Teilnehmern mitgeteilt, dass sie die Süßigkeiten wahlweise auch an ein krankes Kind in einem Krankenhaus spenden konnten. Damit waren die Forscher sogar in der Lage eine weitere Frage zu beantworten: Machen gemeinnützige Spenden glücklicher als gleichwertige Ausgaben für sich selbst?

Ergebnis: Ja, gemeinnützige Spenden machen glücklicher als gleichwertige Investitionen in sich selbst! Das fand zumindest das Forscherteam in dieser Studie heraus. Die Studienteilnehmer berichteten stärkere positive Emotionen, wenn sie die Süßigkeiten einem Kind im Krankenhaus überließen, als wenn sie sich dafür entschieden, die Süßigkeiten zu behalten. Dies war sowohl für die Teilnehmer aus Südafrika, als auch für die Teilnehmer aus Kanada der Fall.

„Providing support for our central hypothesis, Study 3 demonstrated that participants in both Canada and South Africa reported higher levels of positive affect after choosing a gift for someone else than after choosing something for themselves.“ [Aknin et al., 2013]

 

Fazit

In zwei bemerkenswerten Studien konnten die positiven Effekte von prosozialen Ausgaben herausgearbeitet werden. Demnach profitiert von prosozialen Ausgaben nicht nur der Rezipient, sondern auch der Sender – mit positiven Emotionen. Dafür ist es noch nicht einmal wichtig, so vermögend zu sein, wie Warren Buffet. Auch bei Personen mit deutlich geringerem Einkommen war ein ähnlicher Effekt festzustellen. Das nächste Monatsgehalt könnte daher nicht blind für den Kauf eines neuen iPads verwendet werden. Vielleicht gibt es ja auch noch andere, lohnendere Investitionsmöglichkeiten...

 
 

Informationen zum Artikel

 

Autoren: Lara B. Aknin, Christopher P. Barrington-Leigh, Robert Biswas-Diener, & colleagues

Titel: Prosocial Spending and Well-Being: Cross-Cultural Evidence for a Psychological Universal

Zeitschrift: Journal of Personality and Social Psychology

Publikationsjahr: 2013

 

 

Bildquelle: flickr.com / Bernhard